Anbau von Lebensmitteln

Die EU-Kommission hat am 23.Juli 2003 eine Empfehlung für die Koexistenz gentechnisch veränderter (GVO), konventioneller und ökologischer Kulturen ausgearbeitet. Sie läuft auf eine Zerstörung sämtlicher herkömmlicher Anbauformen hinaus und ist ein Betrugsmanöver. Warum? Statt Veto gegen GVO, wird dieses wissenschaftlich unausgegorene Zeug zugelassen.

Der Hintergrund ist, dass dies nach neoliberalen Muster, was der EU zugrunde liegt (vgl. auch geplante EU-Verfassung) geschehen soll. Das neoliberale Motto lautet: jeder darf anbauen und kaufen, was er will. Die Empfehlung der EU-Kommission versucht die Leute auszutricksen. Die Bezeichnung „Empfehlung“ beinhaltet nämlich nur, dass diese auf bereits festgeschriebener und gesetzlich bindender Grundlage zugelassene GVO-Zeugs, letztlich die Problematik nach unten, zu den Bauern, verlagert wird. Sowohl Anbau als auch Verzehr sind bereits dereguliert, d.h. ohne Möglichkeit der primären Regulierung im Sinne der menschlichen Gesundheit. Entsprechend schlägt die Kommission irgendwelche Absprachen unter den Bauern, Registrierungen, Aufzeichnungen, Schlichtungsstellen usw. vor. Der Trick ist nur, dass die Kommission genau weiß, dass eine wirkliche Trennung gar nicht möglich ist. Deshalb legte man/frau eine Kennzeichnungspflicht erst ab 1 Prozent fest (Verordnung Nr.49/2000). Warum? Weil, wie sowohl Verbraucherschutz und noch mehr Greenpeace, nachwiesen, eine registrierte Erfassung und Kennzeichnung unter 1 Prozent GVO, bedeuten würde, dass 50 – 80 Prozent (je nach Schwellwert) ausgezeichnet werden müssten. Anders gesagt: Verbraucher/in finden keine Kennzeichnung „no GVO“, essen jedoch trotzdem GVO („leicht“?) verseuchtes Zeug. Die EU-Empfehlung zur Koexistenz macht sich diese Toleranz für Gesundheitsschädigungen mit folgendem Trick zu nutze: Zitat: „Nach der Verordnung zum ökologischen Landbau dürfen bei der
Erzeugung ökologischer Lebensmittel keine gentechnisch veränderten Organismen verwendet werden“(S.13). Super, denkt sich der Öko-Freak. Nur täuscht er sich. Es dürfen nur nicht – gut aufpassen – „Zutaten, einschließlich Saatgut (verwendet werden), die als GVO-haltig gekennzeichnet sind“. D.h. für die Kommission – und hier wird sie nun endlich deutlich -: „ Erlaubt ist dagegen die Verwendung von Saatgutpartien, die gentechnisch verändertes Saatgut unterhalb der festgesetzten Schwellenwerte (die also aufgrund ihres GVO-Gehalts nicht gekennzeichnet werden müssten) enthalten“ (Zitatende). Es ist also beim GVO-Anbau nichts mehr mit ökologischen Anbau. Er lässt sich nicht mehr machen, sobald GVO-Anbau zugelassen wird. Deshalb die EU-Erfindung der 1-Prozent-Auszeichnungsgrenze. Natürlich sind diese Lobbyisten-Politiker der Kommission nicht dumm. Was passiert denn, wenn z.B. gesundheitliche Schädigungen trotz 1-Prozentgenze auftreten? Dann wird der Schwellwert vielleicht reduziert, doch es bleibt die Zulassung. Mann und Frau in Brüssel versuchen mit einer Schwellwert-Diskussion, einer Diskussion über kompletten Verzicht die Luft aus den Segeln zu nehmen. Dabei ist ein Weg zurück nur schwer möglich. Wann merkt denn überhaupt der Konsument, dass sein Krebs von GVO-Zeugs kommt? Ja, dann werden bestenfalls Prüfungsverfahren verbessert, manche (die nicht nachweisbaren) Erkrankungen, weiter genehmigt, wie überhaupt der Nachweis den Geschädigten zu geschanzt wird. Wer gegen solche Kriminalität etwas machen will, sollte vor allem eines nicht vergessen: Das Konzept einer nicht einmal repräsentativ demokratischen „EU-Verfassung“ ablehnen. Denn hier geht wirklich nicht mehr „alle Gewalt vom Volke aus“. Es nicht einmal eine Verfassung, sondern ein Wirtschaftsvertrag mit unverbindlichen Verpflichtungen. „Wir werden alles schon nach demokratischen Regeln betreiben“ versprechen neoliberale Politiker, obwohl primär nur der (neoliberale) Wirtschaftsaufschwung zählt. Seit Rot-Grün wissen wir ja, dass es nichts Menschenwürdiges mehr gibt, solange die Herren der Wirtschaft nicht so den Laden steuern dürfen, wie sie es wollen. Dazu gehört auch die GVO-Industrie. Ein GVO-Anbau ist ohne Macht der Wirtschaft als EU nicht möglich. Die EU ist ein Schritt der bereits März 2001 heimlich innerhalb der WTO durch Art. VI.4 GATS vereinbarten Entmachtung der Parlamente zugunsten der Renditen der wirtschaftlichen Macher (gut dargestellt in „Greg Palast „shame on you“, S.187). Die Tricks zum GVO-Anbau sind
gutes Anschauungsmaterial. Davon gibt es allerdings noch mehr. Wer heute noch für eine EU-Verfassung ist, weil doch irgendwo „etwas besser als früher“ sein soll, hat nicht verstanden, um was es geht, oder will nichts verstehen.